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Realschulen im Fokus
Haben Freiburger Realschülerinnen und Realschüler große Wissensrückstände? Die Ergebnisse des Kompetenztest VERA 2024/25 für Achtklässler*innen scheinen das nahezulegen: 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler erreichen demnach beim Leseverständnis Deutsch nicht das Realschulniveau. In Mathematik schaffen gar 85 Prozent nicht das Niveau der Schule, auf der sie sind. Die Badische Zeitung hatte im Februar 2026 darüber berichtet, nachdem die Ergebnisse Ende 2025 auch Thema im Gemeinderat waren.
Doch was genau steckt hinter diesen Zahlen? Der Gesamtelternbeirat der Freiburger Schulen hat die verfügbaren Daten analysiert und sich auf seiner jüngsten Vorstandssitzung mit Carlos Santos-Nunier, dem geschäftsführenden Schulleiter der öffentlichen Sek1-Schulen in Freiburg, ausgetauscht. Hier die wichtigsten Ergebnisse:
Was ist VERA? Die Vergleichsarbeiten VERA sind landesweite Lernstandstests in Baden-Württemberg, mit denen überprüft wird, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler in Klasse 3 und 8 im Vergleich zu landesweiten Bildungsstandards erreicht haben. Getestet werden die Rechtschreibung und das Leseverständnis, Mathematik sowie Englisch/Französisch.
Auf welche Schulen bezieht sich das Testergebnis? Die auch in der Badischen Zeitung publizierten Testergebnisse beziehen sich auf sechs Freiburger Realschulen*. Drei davon sind im Startchancen-Programm, sprich, sie haben eine besonders benachteiligte Schülerschaft und werden von Stadt, Land und Bund gefördert.
Freiburgs besondere Schullandschaft: In Freiburg geht jedes vierte Kind auf eine private Schule. Zum Vergleich: Im Land besucht jedes zehnte Kind eine solche Schule. Zusammen mit den drei Waldorfschulen bieten insgesamt zehn private Schulen in Freiburg die Mittlere Reife an. Es gibt also mehr private als städtische Angebote im Realschulbereich. Die publizierten Testergebnisse beziehen sich nur auf die Leistungen von Schülerinnen und Schülern an sechs städtischen Realschulen.
„Fairer Vergleich“: Schulleiterinnen und Schulleiter bekommen die Testergebnisse vom Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW) zugesandt: Sie sehen dort die Leistung jeder einzelnen getesteten Klasse, den Landesschnitt – und das Ergebnis einer vergleichbaren Schule irgendwo im Land. Es gibt in Freiburg auch Realschulen, an denen die Schülerinnen und Schüler in einzelnen Kategorien über der Landesleistung lagen.
Vielfältige Herausforderungen und Heterogenität: Realschulvertreter:innen weisen schon seit Jahren darauf hin, dass sie sehr viele gesellschaftliche Aufgaben schultern: Sie übernehmen den Großteil der Integrationsleistung von Kindern, die durch Flucht, Vertreibung oder andere Migrationsgründe nach Deutschland gekommen sind. Sie leisten auch den höchsten Anteil an Inklusionsangeboten. Realschulen unterrichten auf dem sogenannten M-Niveau (mittleres Niveau) und müssen gleichzeitig das G-Niveau (Grundstufe) ermöglichen, das zum Hauptschulabschluss führt. „Der Anteil der Schülerinnen, die eigentlich auf G-Niveau sind, liegt an einzelnen Realschulen zwischen 30 und 60 Prozent“, so Carlos Santos-Nunier. Dies kam infolge der Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung für alle Schularten im Jahr 2012 (ihre Wiedereinführung 2025 bezog sich nur die Gymnasien). Städtische Realschulen und Gemeinschaftsschulen haben eine extrem heterogene Schülerschaft.
Großer Wandel im Bereich Sek 1 (Sek 1 = Werkrealschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen): Eine Antwort auf die massiv veränderte Schülerschaft und wachsenden Anforderungen ist der Wandel von Realschulen zu Gemeinschaftsschulen. Die Gemeinschaftsschule bietet die Möglichkeit, Kinder individuell auf verschiedenen Niveaustufen zu unterrichten und auch zwischen einzelnen Fächern zu differenzieren: Ein Kind kann Mathematik auf M-Niveau machen, während es in Deutsch auf G-Niveau ist und in Biologie vielleicht auf E, dem erweiterten Niveau. Die Sternwaldschule (vormals Emil-Thoma-Schule) und die Wenzinger-Schule sind seit 2025/26 Gemeinschaftsschulen geworden, die Pestalozzischule wird es zum Schuljahr 2027/28. Gleichzeitig hält Carlos Santos-Nunier den Erhalt von Halbtagsschulen mit flexibler Nachmittagsbetreuung als ein weiteres Angebot für wichtig.
Fazit: Die publizierten Testergebnisse bilden nicht die Gesamtheit der Freiburger Realschülerinnen und Realschüler ab. Freiburg hat ein besonders großes privates Schulangebot, das hier nicht erfasst worden ist. Gleichwohl sind die Herausforderungen unbestritten hoch und es braucht besondere Unterstützung für die Weiterentwicklung der städtischen Realschulen, damit sie ihre vielfältigen Aufgaben bewältigen können.
*zwei sind inzwischen in Klassenstufe 5 (und dann jährlich aufbauend) zu Gemeinschaftsschulen geworden: Wentzinger-Gemeinschaftsschule und Sternwaldschule (vormals Emil-Thoma-Schule).